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Närrische Tage

Wer oder was ist eigentlich närrisch? Närrisch kommt vom Begriff „Narr“. Ein Narr ist ein Mensch, der – so sagt man - sich anders verhält, als man es erwartet. Er ist komisch, anscheinend desorientiert, verrückt, einfältig, genervt oder ähnlich, auf jeden Fall nicht normal. „Guck Dir mal den alten Narren an!“ oder „Bei dem Durcheinander könnte man närrisch werden!“ oder „Erst herrisch, dann närrisch“ – das sind Sprüche, die wir alle schon mal gehört haben. Also ist „närrisch“ ein Begriff, der etwas bezeichnet, was außerhalb der Norm ist. – „Nebbe dr Kapp!“

Aber es gibt tatsächlich auch eine närrische Kultur: Fasnacht – Fasnet – Karneval – Fasching heißt sie heute. Die halten wir alle nicht für verrückt, sondern für kreativ und intelligent. Sie macht uns Spaß, denn sie übt auf spöttische Art Kritik an unserem alltäglichen Leben und dem Einerlei in Politik, öffentlichem Leben und Miteinander. Seit wir das erkannt haben, gibt es offiziell und gewollt närrische Tage.

Woher kommen diese Erkenntnis und dieser Brauch? -Bild Karneval

Narrenfeste wurden bereits im Mittelalter, vom 12. bis zum 16. Jahrhundert um den Epiphaniastag, den 6. Januar, gefeiert. Man kehrte die Welt um, d.h. man machte den unbedeutendsten Menschen spöttisch zum Größten – in Politik und Klerus! Ein Brauch, der Probleme entschärfen und leichter machen sollte, zumindest für ein paar Tage. Auch heute gibt es noch eine Menge Narren, die ganz oben in Politik, Industrie und öffentlichem Leben mitspielen. Allerdings ungewollt und teilweise auch unbemerkt.

Als Beginn der Fastnachtszeit galt bzw. gilt in vielen deutschsprachigen Ländern ursprünglich der Dreikönigstag. Seit dem 19. Jahrhundert findet in vielen Gegenden zusätzlich am 11. November, dem „Elften im Elften“, ab 11:11 Uhr, die offizielle Eröffnung der Karnevalssession statt. Hintergrund ist, dass es auch vor Weihnachten, bereits kurz nach der Fixierung des Festes im Jahr 354, eine vorbereitende vierzigtägige Fastenzeit  gab, ähnlich der österlichen Fastenzeit nach Karneval. Sie begann am 11. November, dem Martinstag. 

Heute haben wir eine närrische Kultur, die Unbeschwertheit, Frohsinn und Ausgelassenheit erzeugen, also uns einmal im Jahr vom Alltagsstress und Profilierungsdruck befreien soll. Karneval, Fasnacht / Fasnet, Fasching.

Seitdem das Fernsehen die großen Narrentreffen mit ihren Umzügen überträgt, kennt man nicht nur in unserer Fasnachts-Region die farbenprächtigen "Häs", das Kostüm der Narren. Wir sehen und erleben auch die Narren anderer närrischer Hochburgen; dabei ist wohl der Rheinische Karneval der bekannteste.

Im nördlichen Rheinland bis zum Niederrhein wird das hochdeutsche Karneval mundartlich als Fastelovend (Fastenabend) oder Fasteleer bezeichnet, mit örtlich eigenständigem Brauchtum. Die heute geläufigste Vermutung ist die Ableitung des Begriffs Karneval vom mittellateinischen  carne levare ("Fleisch wegnehmen"), daraus carnelevale als Bezeichnung für die Fastenzeit als fleischlose Zeit. Scherzhaft ist auch die Übersetzung von carne vale als "Fleisch, lebe wohl!" möglich.Bild Fasnnacht

Die "Schwäbisch-Alemannische Fasnet" hat ihren Ursprung in vorchristlicher, heidnischer Zeit. Mit dem lärmenden Treiben soll der Winter ausgetrieben und die baldige Ankunft des Frühlings gefeiert werden.
Für Volkskundler und Historiker ist die Fasnacht eng verbunden mit der 40-tägigen
christlichen Fastenzeit vor Ostern. Der Höhepunkt von Fasnacht ist die Zeit von
Donnerstag bis Aschermittwoch, danach beginnt die Fastenzeit zur Vorbereitung auf das Osterfest.

Beim rheinischen Karneval ist es genauso. Das niederdeutsche Wort "Fastelovend", das die Kölner noch heute für ihren Karneval verwenden, bedeutet "der Abend vor der Fastenzeit". Von Dreikönig bis zum Aschermittwoch treiben mit ihrem „Narri-Narro“ unterschiedlichste Narrenfiguren, Hexen,"Wilde Gestalten", ihr Unwesen auf unseren Straßen und Plätzen.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. In der Nacht zum Aschermittwoch, um Punkt Mitternacht, endet der Karneval und es gibt an vielen Orten die Tradition, am Aschermittwoch noch einmal zu einem gemeinsamen Fischessen oder zu einem rituellen "Portemonaie-Auswaschen" zusammenzukommen.

Närrische Tage sind also eine althergebrachte Kultur, die uns Menschen schon seit vielen Jahrhunderten beschäftigt und beeinflusst hat. Gut, dass es sie gibt, vor allem heute im Hinblick auf die Corona-Belastungen; denn sie zeigen uns, dass man trotz aller Probleme gelassen und fröhlich-närrisch sein darf und muss!

 

 

 

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